Das Fagus-Werk um 1911  


Als Firmengründer Carl Benscheidt 1911 dem jungen Walter Gropius den Auftrag gab, seine neue Schuhleistenfabrik zu gestalten, sprach das von ungeheurem Mut des Bauherrn und von revolutionierender Innovation des Architekten.

 

 
Mitarbeiter des Fagus-Werks um 1911  
 


Carl Benscheidt sagte bereits 1911 "Unser Reichtum sind nicht unsere Maschinen und Gebäude, sondern das Wissen und das Können und die Einsatzbereitschaft unserer Mitarbeiter”.

 
  Die erste Fagus-Schuhleisten-Fräsmaschine  
 


Die geniale Innovation der Schuhleistenkopierdrehbank war 1920 der Beginn des Maschinenbaus bei Fagus. Mit der Produktion dieser Holzbearbeitungsmaschinen entstand ein neuer Unternehmensbereich.

 

Zitat des Trages

Bekanntlich wird als eine besondere Wesensart der Westfalen ihre Schwerfälligkeit und ihre Dickköpfigkeit genannt. Diese Eigenschaften waren in beiden Familien nur in geringem Maße vorhanden. Ich führe das darauf zurück, dass beide Gemeinden, die Waldbauerschaft, die Heimat meines Vaters und die Gemeinde Halver, die Heimat meiner Mutter, an das Rheinland (Bergische Land) grenzen und wahrscheinlich das westfälische Blut sich mit dem rheinischen vermischte. Von den 14 Kindern meines Großvaters Joh. Herm. Clever starben 7 sehr früh unverheiratet, angeblich an der Schwindsucht. – Von meinen Geschwistern starb an dieser Krankheit eine Schwester im Alter von 34 Jahren und von meinen Kindern ein Sohn im Alter von 17 Jahren. Von mir sollen die Ärzte früher gesagt haben, dass auch ich Anlage zu Schwindsucht hätte und erheblich belastet sei. Bei meinen 6 Enkelkindern und 10 Urenkeln und Urenkelinnen sind diese Erscheinungen nicht wahrzunehmen. Dass bei mir diese Anlagen verschwunden sind, führe ich auf meine einfache Lebensweise, meine Lebensgrundsätze und auf die praktische Tätigkeit, die ich vom 19. bis 29. Lebensjahr ausübte, zurück. – Drei Kinder meines Großvaters heirateten in andere Betriebe; sie wurden durch Geld abgefunden. Für die verbliebenen 4 Kinder teilte er das Gut in 4 Teile, wovon meine Mutter einen Teil von ca. 150 Morgen, davon etwa 60 Morgen Acker und Wiesen, erhielt. Dieser Teil hatte aber keine Wohn- und Wirtschaftsgebäude. Dafür hatten die Brüder die erforderlichen Baumaterialien, wie Bruchstein, Sand, Kies, Holz etc. zu liefern. Da der Vater als Erbteil seiner Mutter 3000 Taler mit in die Ehe brachte, hätte er einen gut eingerichteten, schuldenfreien Hof haben können, aber durch das Beibehalten seiner Junggesellengewohnheiten war er nach 10 Jahren zahlungsunfähig. Um diese Zeit starb ein noch lediger Bruder meiner Mutter, der durch den Todesfall eines anderen, ebenfalls noch ledigen, Bruders die Hälfte des ursprünglichen Hofes erhalten hatte. Der Vater fand nun die Erben zu so günstigen Bedingungen ab, dass er nach Verkauf der vorhandenen Ernte und des schlagreifen Holzes wieder einen schuldenfreien Hof hatte. Anstatt jedoch aus den bisherigen Ergebnissen die Lehre zu ziehen, setzte er seine bisherigen Gewohnheiten fort - und nach 10 Jahren war er wieder bankrott. Die Sparkasse, die das Gut beliehen hatte, fand selbst für die Hypotheken und Zinsrückstände keinen Käufer und so musste sie zweien meiner Brüder den Hof übergeben. Sie übernahmen ihn fast ohne Vieh und hatten die rückständigen Zinsen, Hypotheken und alle anderen Schulden zu tilgen; sie sind inzwischen verstorben, haben aber ihren Kindern ihre Höfe im gutem Zustand schuldenfrei hinterlassen. So habe ich erlebt, welch einen Segen Mäßigkeit, praktische Arbeit und Fleiß bringen und wie eine schlechte Wirtschaftsführung zum Ruin führt.

Auszug aus "Aus meinem Leben" von Carl Benscheidt sen.

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