fagus intro  

 

Es ist eine ungewöhnliche Erfolgsgeschichte
beispielhafter Industriekultur im 20. Jahrhundert:

Das von Walter Gropius und Adolf Meyer ab 1911 errichtete Fagus-Werk in Alfeld an der Leine gilt als Ursprungsbau der Moderne. Den Architekten gelang es, einem mittelständischen Betrieb ein völlig ungewohntes, vom Traditionellen abweichendes Erscheinungsbild zu geben. Das war möglich, weil Bauherr und Architekt eine selten günstige Konstellation bildeten. In der Person des Fabrikanten verband sich lebensreformerischer Anspruch mit amerikanischer Unternehmensphilosophie. Die produzierten Schuhleisten entstanden einerseits mittels verbesserter Fertigungsmethoden, andererseits nach neuesten Erkenntnissen der orthopädischen Fußforschung. Das Fabrikgebäude ist mit seiner repräsentativen Sachlichkeit und dem großflächigen Gebrauch von Glas auch Ausdruck eines neuen unternehmerischen Selbstbewußtseins und einer modernen Werbestrategie.

Fagus ist die Geschichte eines Gesamtkunstwerkes und ein frühes Beispiel für corporate identity.

Die Fabrikanlage, seit 1946 eingetragenes Baudenkmal, wurde mittlerweile aufwendig restauriert und steht jedem zur Besichtigung offen.

[Annemarie Jaeggi]

 

 
fagus intro  

Zitat des Trages

Da mein Vater sich offenbar darin gefiel, als fortschrittlicher Bauer angesehen zu werden, wurden alle neu auftauchenden Maschinen angeschafft, aber ebenso schlecht wie die Mähmaschine behandelt. Dabei war meistens das bare Geld zur Bezahlung nicht vorhanden. Er kaufte dann kurzerhand gegen Wechsel, die oft ein- oder mehrere Male verlängert werden mussten. Gegenüber diesen Zinsen und Kosten konnte von Vorteilen durch die Maschinen keine Rede sein. Bei den Gebäuden handelte er ebenso. Man konnte hier seine Maßnahmen nicht als unangebracht ansehen, aber er ließ alte Gebäude abreißen und durch neue ersetzen, obwohl das Geld dafür nicht vorhanden war und die alten Gebäude noch einige Jahre hätten gebraucht werden können. Dass unter diesen Umständen die Verschuldung immer größer wurde, ist selbstverständlich. Während der Vater „seine Besorgungen“ selbst machte, ließ er die Wechselverlängerungen und Geldanleihen mit Vorliebe durch mich erledigen. Ich erlebte dadurch vieles, was uns Kindern sonst vorenthalten wurde, mich aber zu der Erkenntnis brachte, dass der Vater nicht gut wirtschaftete und dass zwei Onkel, die nach seinen Bemerkungen zu altväterlich waren, wirtschaftlich besser dastanden als der Vater. Meine Mutter war dagegen morgens stets die Erste; sie weckte das ganze Haus, war den ganzen Tag ununterbrochen tätig und abends die Letzte. Dabei war sie stets zufrieden und vergnügt. Sie kannte offenbar die Schwächen ihres Mannes, aber ich habe nie gesehen oder gehört, dass sie dem Vater deshalb Vorwürfe machte. Nur wenn der Vater Gäste ins Haus brachte, was leider sehr oft der Fall war, war sie darüber ärgerlich, ließ sich aber ihre Missstimmung niemals anmerken. Der Vater meiner Mutter (Dorothea geb. Clever) stammte vom Gute Clever bei Halver. Auf diesem Gute sollen sich noch Familienakten befinden, die bis ins Jahr 1200 zurückreichen. Ich entstamme also einer jahrhundertealten Bauerntradition. Dieser Großvater war Katasterkontrolleur und hatte - nur mit einer Frau - 14 Kinder. Es fiel ihm sehr schwer, diese große Familie mit seinem Landmessereinkommen zu ernähren. Er kaufte daher 1817 das damals sehr heruntergekommene 600 Morgen (150 Hektar) große Gut Othmaringhausen für 6000 Taler mit 1000 Taler Anzahlung. Der Rest sollte und wurde, nach-dem sich die Familie von den Erträgen des Gutes ernähren konnte, aus seinen Gehaltsersparnissen bezahlt. Vor der Gutsübernahme war von dem zweistöckigen großen Wohn-, Stall-, und Vorratsgebäude das Dach abgebrannt. Es befand sich aber über dem Hausboden eine ca. 15cm starke Lehmdecke, die das Vordringen des Feuers nach unten verhinderte. Notdürftig war das Dach mit Ginsterreisig eingedeckt. Die Ländereien waren zum Teil seit mehreren Jahren nicht bestellt. In den Waldungen war schlagreifes Holz kaum vorhanden. Die Großmutter hatte nun mit den Kindern das Gut zu bewirtschaften. Sie muss eine ungewöhnlich tüchtige Frau gewesen sein, die es verstand, alle Kinder zur Mitarbeit anzuhalten und zu arbeitsfreudigen Menschen zu erziehen. Ihre Arbeitsmethoden wurden ein Vorbild für die ganze Gegend und der Hof als Mustergut bezeichnet. Als der Großvater 1857 starb, gehörte die Familie zu den wohlhabendsten der Gemeinde.

Auszug aus "Aus meinem Leben" von Carl Benscheidt sen.

Link des Tages

Fagus-Gropius Ausstellung im Fagus-Werk in Alfeld | Details zum Fagus Werk | Historische Hintergrundinformationen und Fotos | Wie wird das Gebäude heute genutzt? | Welche Themen behandelt die permanente Ausstellung? | Impressionen aus der Ausstellung | Sie haben eine Frage oder möchten eine Führung buchen?

Funkenlöschanlagen und Online-Messsysteme für verschieden Branchen wie die Holzindustrie, die Automobilindustrie und die Nahrungsmittelindustrie | Perfekte Passform für Ihre Schuhe mit den original Fagus-Schuhleisten

© Copyright | Fagus-GreCon | Dienstag, 21. Mai 2013

xhtml   css